Einige Textpassagen aus dem Lied:
"...
Lieblich schweben durch die Luft die schwarzen Dämpfe
und mit heiterem Gesang
nimmt man Kohlen in Empfang.
Wer zu lang dort lebt, bekommt beim Atmen leichte Krämpfe
- aber wer lebt dort schon lang?!
...
Wo wird der Vierjahresplan erfüllt?
Alle vier Jahre sehen wir die Sonne.
...
Das gibt es nur bei uns in Gelsenkirchen
in unsrem urgemütlichen Grubengasparadies.
Täglich geht der junge Kumpel wohlgesittet
immer runter in den Schacht
und dann munter durch die Nacht.
Ich selbst war als Kumpel einen ganzen Tag verschüttet,
aber ich hab mir gedacht:
So ist das mal bei uns in Gelsenkirchen.
Sicherlich gräbt man mich, wenn man Kohle braucht, wieder aus
..."
Georg Kreisler ist derjenige, der in seiner "schwarzen" Epoche (damit ist nicht die Einfärbung im politischen Sinne gemeint, sondern im humoristischen) solche Gesänge produzierte wie "Gehn´ma Tauben vergiften im Park" oder "2 alte Tanten tanzen Tango mitten in der Nacht".
Ein von mir hoch geschätzter Künstler.
Wenn Ihr am Sphinxmohntach schon durch die Reviergeschichte rollert, wäre das Kreislerlied eine gute musikkabarettistische Vorbereitung auf dasjenige, dessen Reste Ihr sehen werdet. Das Lied entstand zur Zeit des Wirtschaftswunders, als im damals so genannten "Kohlenpott" die Schlote rauchten. Durch den Niedergang der Montanindustrie und die Etablierung des Umweltschutzes als politisches Ziel hat sich die Umweltqualität wesentlich verbessert.
Aber damals hat diese Satire hohe Wellen geschlagen:
Beginn Zitat:
„Das gibt es nur bei uns in Gelsenkirchen"
Immer die Probleme mit dem Stadt-Image - oder: Wie man durch humorlose Überreaktionen ein negatives Bild noch mehr verfestigt
(-weco-). Gelsenkirchen hat schon seit längerem Probleme mit seinem Ansehen in der Welt — oder mit dem Image, wie man heute gern sagte Da wird der Kampf gegen Klischees und Vorurteile oft zum Krampf — meist mit dem genau nicht beabsichtigten EI-fekt, da8 sich das negative Bild nur noch mehr verfesllgt. So ging zum Beispiel die Stadtspitze 1961 auf die Barrikaden, als das Chanson „Gelsenkirchener Duett" herauskam. Da fand Gelsenkirchen endlich einmal Platz in einem Lied, das nichts mit Fußball zu tun hatte (dann wird Gelsenkirchen sowieso „Schalke" buchstabiert) — aber wie! Der Wiener Autor, Kabarettist und Alleinunterhalter Georg Kreisler hatte die Stadt aufs Korn genommen, um an ihrem Beispiel auch ähnliche Städte im Ruhrgebiet zu beschreiben — natürlich kabarettistisch überspitzt, natürlich auch etwas boshaft und natürlich auch die Finger in offene Klischee Wunden legend.
Als dann Topsy Küppers und Georg Kreisler am 24, Oktober 1961 (1958 war das Lied schon einmal gesendet worden — damals allerdings, so Kreisler, im 9. Programm um zwei Uhr morgens) über den Norddeutschen Rundfunk „Das gibt es nur bei uns in Gelsenkirchen" sangen, war für Gelsenkirchen der Spaß vorbei — von Humor gar nicht zu reden, getreu der Chanson-Zeile .Wer hat den norddeutschen Ernst verbunden mit Schweizer Humor?" Die Stadt protestierte lautstark und empört — beim Intendanten des NDR, in der Presse und wo immer man das Wehklagen über die böse Verunglimpfung hören wollte, Oberstadtdirektor Hülsmann beschwerte sich beim NDR-Intendanten Dr. Walter Hilpert. Nach den humorlosen Reaktionen A la Provinz auf das „Gelsenkirchener Duett" sah sich Dr. Hilpert schließlich genötigt, in einem Schreiben an den Oberstadtdirektor bierernst erklären zu müssen: lch möchte Ihnen hiermit ausdrücklich versichern, daß es dem Norddeutschen Rundfunk und besonders dem verantwortlichen Hauptabteilungsleiter Unterhaltung ferngelegen hat, die Bürger Ihrer Stadt zu diskreditieren!
Überall Verschwörer gegen das Gelsenkirchener Image witternd, hatte man 1961 gar geargwöhnt, das Chanson sei aus persönlichen Ressentiments entstanden, weil Topsy Küppers einige Jahre zuvor in Unfrieden von den hiesigen Bühnen geschieden sei- Nachträglicher Trost Für alle Protestler: Georg Kreisler bekannte später, daß er mit dem GE-Song zum ersten Mal einen schlechten Ruf in der Bundesrepublik bekam.
Zum Glück hat die Stadt alles gut überstanden »obwohl das Lied sogar auf Kreislers Langspielplatten erschienen ist. Geblieben sind die Image-Probleme. Sie aber geht man heute natürlich ganz anders an — jung, modern, engagiert; denn
„Gelsenkirchen bietet mehr als schöne Sprüche". Und wehe, wenn mal einer — auch nur innerhalb der Stadtmauern — Kritik laut werden läßt: den soll doch gleich der Oberbürgermeister holen!"
Quelle für die letzten Absätze:
http://gelsenkirchener-geschichten.de/v ... .php?t=210